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Rezension: Christoph Weiss - Auschwitz in der geteilten Welt

Es ist das Verdienst des Mannheimer Germanisten Christoph Weiß, in seiner Habilitationsschrift die publizistischen Dokumente dieses Prototypen aller künftigen deutschen Debatten zusammengetragen und ausgewertet zu haben. Am Ende der jahrzehntelangen unglücklichen und auch unerträglichen deutschen Debatten ist Auschwitz - wie der Verfasser summiert - als "zentrales bewußtseinsgeschichtliches Element der deutschen Gesellschaft" angenommen worden. Was von den publizistischen Fehden blieb, bietet entweder Stoff für archäologische Ergründungen der Bewußtseins- und Mentalitätengeschichte der alten BRD und der ehemaligen DDR oder kehrt dahin zurück, wohin Peter Weiss gehört, nicht in die politische Zeitgeschichte, sondern in die Literaturgeschichte.

Das zweite Verdienst des Philologen beruht darin, die Fäden eines auch in späteren Debakeln und "Fällen" - von Böll bis Grass oder von Strauß bis Handke - wiederkehrenden Geknäuels von Kunst und Politik aufgedröselt zu haben. Damit sind die Dissonanzen zwischen den literarischen Positionen des Schriftstellers Peter Weiss und den ideologischen Klimmzügen des engagierten Intellektuellen sichtbar geworden.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.09.2000

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