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Henner Barthel. Spreehwissenschaftler und Kenner der DDR aus eigener
Erfahrung, legt in Zusammenarbeit mit Studenten der Humboldt-Universität Berlin eine
Dokumentation von Reden aus vierzig Jahren DDR vor. Jeder Rede ist eine kurze Analyse
angeschlossen. Als Ziel formuliert Barthel: "Miteinander sollte herausgefunden
werden, auf welche furchtbare Weise das gesamte politische und gesellschaftliche Leben
[...] konsequent beschränkt gewesen waren" (S. 10). Dabei verweist er auf
Schwierigkeiten, die Reden adäquat zu beurteilen, nämlich, "weil sie nicht die
ganze Wahrheit ausdrücken". Die dokumentierten Reden sind nur ein Teil der
öffentlichen DDR-Kommunikation, aber sie sind symptomatisch für sie.
[...] Es sind Reden unterschiedlicher genera orationis. Reden von
Rednern mit unterschiedlichen sozialen Rollen und höchst unterschiedlicher Zeiten. Der
Wandel, der sich auch in der Gesellschaftskonzeption der DDR bzw. der SED von 1949 bis
1989 vollzogen hatte, kommt in den Reden selbst sehr deutlich zum Ausdruck. So stellt z.B.
in der Rede Wilhelm Piecks vom 11.10.1949 hinter den Worten von der "großen, reichen
und hellen Zukunft" des deutschen Volkes noch die Vision vom Kommunismus als Traum
der Menschheit. In den 70er Jahren schwand diese Utopie.
[...] Versteht man das Buch als eine Dokumentation, so ist es eine gute
Möglichkeit, sich Überblickswissen über rednerische Praxis in der DDR zu erwerben.
Kritisch ist die Veröffentlichung ebenfalls, was bei den meisten untersuchten Texten
nicht ausbleiben kann.
Muttersprache. Vierteljahresschrift für deutsche Sprache September 1999
[zum Buch]
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