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Der Geograph Carl Rathjens (1914-1994) war ein bedeutender
Geomorphologe, Eiszeit- und Hochgebirgsforscher und besonderer Kenner des Orients, vor
allem Afghanistans. Aus seinem Nachlaß hat jetzt der Saarbrücker Universitätsarchivar
Wolfgang Müller dessen Lebenserinnerungen herausgegeben und kompetent erläutert.
Rathjens wuchs in Hamburg auf. Sein Vater, der promovierte
Geograph Carl August Rathjens (1887-1966), war von 1911 bis 1921 am Kolonialinstitut und
bis zu seiner Entlassung aus politischen Gründen 1933 am Weltwirtschaftsarchiv tätig. In
den dreißiger Jahren studierte Rathjens junior Geographie in Berlin, Königsberg und
München, wo er nach dem Zweiten Weltkrieg als Assistent an der Technischen Hochschule
wirkte. 1956 wurde er an die Universität des Saarlandes berufen, wo er das Geographische
Institut aufbaute und in der universitären Selbstverwaltung aktiv war. Kurz nach
Vollendung seines 80. Lebensjahres starb er in Saarbrücken.
Rathjens Memoiren spiegeln Lebensstationen und Werk eines
deutschen Geographen in den zeitgeschichtlich zentralen Umbrüchen unseres Jahrhunderts
und bieten eine farbige Synthese autobiographischer Reflexion und
wissenschaftsgeschichtlicher Positionsbestimmung. Abgerundet wird der Text durch ein
Nachwort Dietrich Fliedners über Rathjens Oeuvre und ein Schriftenverzeichnis; allein ein
Register fehlt leider. Diese vorbildliche Edition wird durch die zahlreichen Fotos und die
umsichtige wie kenntnisreiche Kommentierung Wolfgang Müllers zu einem im besten Sinne
lehrreichen Lesevergnügen.
Rainer Hering in: Auskunft. Mitteilungsblatt Hamburger Bibliotheken. 19 (1999) Heft 2
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