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Was ist aus der ungefähr 100-jährigen Sprecherziehung geworden, was kann aus ihr im neuen Jahrhundert werden?
Die physiologischen, normativen, euphonischen Anfänge galten "dem Sprechen" des einzelnen Menschen. Diese biologistische Auffassung passte gut in die nationalsozialistische Schulpolitik.
Nach dem 2. Weltkrieg rückten die "miteinandersprechenden Menschen" ins Zentrum des Faches. Die Theorie der mündlichen Kommunikation verlangte den Wechsel von der Sprech- zur Gesprächserziehung, den Wechsel der Lernziele von Sprechfertigkeit zu Gesprächsfähigkeit. Das war die erste Transformationsstufe.
In den letzten Jahrzehnten gewannen neue Kommunikationsmedien zunehmende Bedeutung (Fernsehen, Fax, Internet), eine neue Alltags-Literarität schränkt den Raum der mündlichen Kommunikation ein. Deshalb wird eine allgemeine Kommunikationspädagogik erforderlich mit dem umfassenden Lernziel: Kommunikationsfähigkeit. Die nächste Transformationsstufe ist erreicht.
Es gibt keine Universalgenies, die die Theorien phatischer, rhetorischer, ästhetischer und therapeutischer Kommunikation in face-to-face-Situationen, in Institutionen und in den Medien pädagogisch 'beherrschen'. Deshalb müssen sich KommunikationspägogInnen spezialisieren.
Für Interessenten aus: Germanistik, Linguistik, Kommunikationswissenschaft, Medienpsychologie, Medienpädagogik, Pädagogik, Philosophie, Phonetik, Psychologie, Rhetorik, Sprechwissenschaft und Sprecherziehung.
Der Autor, zuletzt Ordinarius für Sprechwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau (Sprecherzieher-Prüfung 1949) lebt nach seiner Emeritierung in Lausanne.